Im Rahmen des Festwochenendes der Feuerwehr Seulberg im August (siehe Link), findet in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Kriseninterventionsdienst Hochtaunus auch der Blaulichtgottesdienst des Hochtaunuskreises im Feuerwehrhaus Seulberg statt.

Zu diesem ökomenischen Gottesdienst sind alle Angehörigen der Hilfsorganisationen von Feuerwehr, Rettungsdiensten,Polizei sowie THW sowie interessierte Bürger am 11.08.2017 ab 19:00 Uhr eingeladen.

Nach der rund 1 stündigen Veranstaltung sind alle Teilnehmer zum gemütlichen Beisammensein eingeladen. Für Verpflegung und Getränke wird natürlich auch an diesem Abend gesorgt.

Passend zum Blaulichtgottesdienst wurde nun in der Taunus Zeitung über das KID Team berichtet, welches in diesem Jahr seit 20 Jahren aktiv ist.


Sie leisten „Erste Hilfe für die Seele“, überbringen Todesnachrichten und bleiben so lange bei den Trost und Halt suchenden Menschen, die gerade ihren Ehemann, ihre Ehefrau oder einen Elternteil verloren haben, wie es nötig ist. Sie sind aber auch Stütze und Halt für Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Menschen, die auf der Autobahn grässlichste Unfälle anschauen mussten. Die Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes (KID) des Deutschen Roten Kreuzes sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade Feuerwehrleute mit solchen Szenarien überfordert sind, es nicht zugeben wollen, aber dringend Hilfe brauchen, um damit fertig zu werden. Häufig ist es gerade im ländlicheren Bereich so, dass sie Kameraden, Freunde oder Verwandte tot bergen müssen“, sagt Thorsten Mebus, Gemeindereferent in Bad Vilbel und Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes (KID). Es waren viele Feuerwehrleute und auch Polizisten im Festsaal der Kronberger Stadthalle, wo beim Jahresempfang des DRK-Kreisverbandes der Gründung des KID gedacht wurde. Einige von ihnen haben schon die Hilfe des KID in Anspruch genommen und sich danach besser gefühlt.

Die „zarten Saiten“ der Seele zum Klingen zu bringen, so gesehen also vermeintlich Schwäche zu zeigen, sei im Gegenteil eine Stärke, sagte Mebus. Zusammen mit Heike Knorr, die von Anfang an beim KID ist und dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, gab er dem Publikum Einblick in die Arbeit des KID.

Nachrichten überbringen

Unfälle mit Kindern und das Über-bringen von Todesnachrichten seien das Schwierigste für KID-Helfer, sagt Heike Knorr: „Wenn neben der Haustür, an der man gleich klingeln muss, Kinderspielzeug herumliegt, man hinter der Tür Kinder lachen hört, weiß man, dass hinter dieser Tür gleich nichts mehr so sein wird wie vorher.“ Die Betreuung der Hinterbliebenen, so lange es auch dauern mag, sei wichtig für diese Menschen, denen da gerade der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Der KID hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen auf ihrem Weg zurück in den Lebensalltag zu begleiten. Oft kommt das KID-Team aber auch schon am der Unfallort zum Einsatz und muss traumatisierte Fahrzeuginsassen betreuen. „Wenn abzusehen ist, dass ein Opfer es nicht schaffen wird, dann müssen wir, so schwer es auch fällt, ehrlich sein“, sagt Knorr im Podiumsgespräch mit der HR-Journalistin Waia Stavrianos.

Ohne Teamarbeit gehe beim KID überhaupt nichts. Einer brauche den anderen. Einsätze, die selten kürzer als zwei Stunden dauern, werden in der Regel zu zweit gefahren, bei den Team-Abenden wird über das Erlebte bei den Einsätzen gesprochen. Dass immer wieder „Helfer selbst Hilfe brauchen“, sei völlig normal und werde im Team aufgearbeitet.

Häufig haderten Feuerwehrleute und Ersthelfer mit sich, machten sich Vorwürfe, weil sie vermeintlich zu spät gekommen sind. Davor, so Mebus, seien selbst erfahrene Rettungssanitäter nicht gefeit. Er erinnere sich noch an einen schweren Unfall auf der A 661 mit mehreren Toten, als der KID noch vor Ort versuchte, gemeinsam mit den Einsatzkräften die dramatischen Eindrücke aufzuarbeiten. „Wir müssen aufeinander aufpassen und erkennen, wenn bei einem von uns die Erinnerung zur seelischen Belastung wird“, beschreibt Knorr den Sinn dieser Team-Abende. Sie beschwört immer wieder den Teamgeist, im KID selbst, aber auch in der vertrauensvollen Kooperation mit Feuerwehr und Rettungsdiensten.

Entlastung für Feuerwehr

Das bestätigt auch Kriminaloberkommissarin Erika Weber: „Das sind emotionale Ausnahmesituationen, in denen die Kooperation mit dem KID sehr wichtig ist. Wir sind sehr dankbar dafür.“ Ähnlich auch Jürgen Hirzel von der Neu-Anspacher Feuerwehr: „Unsere Arbeit ist eine sehr technische. Der KID entlastetet die Feuerwehr bei ihrer Arbeit enorm weil er sich um Familienangehörige kümmern, während wir mit der Rettung der Verletzten beschäftigt sind.“ Auch Daniel Renz vom Rettungsdienst ist dankbar für die Unterstützung durch den KID, der die Ersthelfer dadurch ihre Arbeit machen lasse, dass er traumatisierte und deshalb oft uneinsichtige Unfallzeugen aus dem Szenario herauszieht und betreut.

Betreuung von Hinterbliebenen heißt für die Helfer des KID, Nähe zu wildfremden Menschen zu suchen, sie in den Arm zu nehmen und zu trösten. Das sei oft nicht einfach, sagt Knorr, für die Helfer selbst, aber auch für die, denen geholfen werden soll. Von den KID-Helfern werde viel Fingerspitzengefühl dabei verlangt, zu ergründen, wie der andere getröstet werden will.

Artikel aus der Taunus Zeitung vom 30.06.2017

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