Sie haben verunglückte Autofahrer aus ihren Fahrzeugen befreit und nicht nur brennende Wohnungen, sondern auch den Wertstoffhof gelöscht. Die Feuerwehrleute aller Stadtteile hatten im vorigen Jahr alle Hände voll zu tun.

Die Stadtteilwehren sind 2015 so oft alarmiert worden wie kaum jemals zuvor. Insgesamt 501 Einsätze zählten die Feuerwehren Mitte, Seulberg, Köppern und Burgholzhausen, wie Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Brandbekämpfer am Freitagabend in der Philipp-Reis-Schule berichtete.

Demnach schrillten die Funkmeldeempfänger der Feuerwehrleute im Jahr 2015 statistisch betrachtet 1,4 Mal täglich, was einer Zunahme von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gleichkommt. Nur einmal in der Geschichte der Friedrichsdorfer Wehren ist die Zahl der Einsätze noch höher ausgefallen, und zwar 2010 mit seinerzeit 603 Alarmierungen. Doch zurück zum vergangenen Jahr, in dem die Hilfeleistungen mit 247 Fällen (49 Prozent) den Löwenanteil aller Einsätze ausmachten, gefolgt von 122 Fehlalarmen (24 Prozent), 113 Brandeinsätzen (23 Prozent) und 18 Brandschutzdiensten (4 Prozent).

Beachtlich ist die Zahl der Menschen, die bei Bränden und Hilfeleistungen gerettet werden konnten. So wurden 121 Personen mitunter in buchstäblich letzter Sekunde in Sicherheit gebracht, von denen 71 verletzt waren. In vier Fällen jedoch kam leider jede Hilfe zu spät. „Das Spektrum der Herausforderungen forderte unser gesamtes Wissen und Können. Und es zeigte sich einmal mehr, dass wir uns in der Rolle des täglich geforderten Allround-Dienstleisters bewährt haben“, fasste Neeb zusammen.

Die Eindrücke, die sich den 223 aktiven Frauen und Männern der Feuerwehren bei ihren Einsätzen aufdrängen, sind manchmal nur schwer zu ertragen. Beispielsweise die Bilder von einem schrecklichen Verkehrsunfall auf der Autobahn, der bis heute Rätsel aufgibt. Auf der A 5 hatte ein Autofahrer Ende Juli eine Strecke von rund zweihundert Meter auf dem Grünstreifen neben der Fahrbahn zurückgelegt, ehe sein Fahrzeug an den Verteilerschrank einer Schilderbrücke prallte und Feuer fing. Mysteriös ist bis heute, dass der Mann am Steuer sitzend in den Flammen umkam, obwohl die Autotüren offen standen. Nach einem möglichen Beifahrer wurde unterdessen vergeblich gesucht.

Heiße Gasflaschen

Zahlreiche Menschen wurden bei Unglücken im vergangenen Jahr schwer verletzt, darunter ein Sprinter-Fahrer, der eingeklemmt war und aus seinem Fahrzeug herausgeschnitten werden musste, ein auf der Autobahn verunglückter Motorradfahrer und die Mieterin einer Wohnung in der Ostpreußenstraße, in der ein Feuer ausgebrochen war. „Luft anhalten“ hieß es bei einem Brand im Wertstoffhof. Bei dem Großfeuer kam zwar glücklicherweise niemand ernsthaft zu Schaden, aber das Risiko des Einsatzes war für die Rettungskräfte enorm. Das lag an mehreren Gasflaschen, die mit der Chemikalie Acetylen gefüllt waren und die in der Hitze zu bersten drohten. In diesem Fall wären die Behältnisse den Helfern wahrscheinlich sprichwörtlich „um die Ohren geflogen“ und dann auch noch bis zu 180 Meter weit. Dank der Feuerwehren konnte diese Gefahr um Haaresbreite abgewendet und die Behälter schließlich von einem Lübecker Spezialunternehmen entsorgt werden.

Vergleichsweise entspannt ging es dagegen beim Aufbau der Notunterkünfte für Flüchtlinge in Bad Homburg, Oberursel und in der Friedrichsdorfer Max-Planck-Straße zu. Dass es in Sachen „Flüchtlingsunterbringung“ ohne die Feuerwehren nicht gegangen wäre, betonten auch die zahlreichen Ehrengäste, darunter der Bundestagsabgeordnete Markus Koob (CDU) und die Landtagsabgeordnete Elke Barth (SPD). „Auf die Feuerwehren kann man sich immer verlassen – in allen Lebenslagen“, lobte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne), während Stadtverordnetenvorsteher Karl Günther Petry (FWG) eine jüngst veröffentlichte Umfrage zitierte, wonach mehr als 90 Prozent der Deutschen den Feuerwehren vertrauen. Auch der Kreisbrandinspektor Carsten Lauer dankte seinen Kameraden und sprach zugleich von Chancen, die sich durch die Integration der Flüchtlinge für die Feuerwehren ergeben könnten.

Junge Leute mit Teamgeist

Einen hohen Stellenwert nimmt bei den Feuerwehren die Nachwuchsarbeit ein, betonte der Stadtjugendfeuerwehrwart Andreas Löw. Den Kindern und Jugendlichen werden in den Jugendabteilungen aber nicht nur feuerwehrtechnische Kenntnisse beigebracht, sondern auch Sozialkompetenz und Teamgeist. 2015 gehörten den Jugendfeuerwehren insgesamt 16 Mädchen und 55 Jungen an, in den Stadtteilwehren Köppern und Seulberg wurden darüber hinaus die sogenannten „Mini-Feuerwehren“ ins Leben gerufen.

Unterstützt wird der Nachwuchs von den Feuerwehrvereinen, deren 1432 Mitglieder unter anderem Fördergelder beisteuern, aber auch zahlreiche Veranstaltungen stemmen. Und die nicht zuletzt die Kameradschaft in den Stadtteilwehren stärken.

Artikel aus der Taunus Zeitung vom 7.3.2016