Als 1966 unter Wehrführer Philipp Holzheimer offiziell die erste Seulberger Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen wurde, traten beim ersten Treffen am 1. Juli gleich 12 Jungen im Alter zwischen 13 und 14 Jahren an.

Sie alle hörten auf das Kommando von Helmut Reuter, der der erste Jugendwart war. Kurz zuvor aus Niedersachsen nach Seulberg gezogen, war der heute 77-Jährige ein doppelter Glücksfall: Als Löschmeister war er vom Fach und außerdem hatte er im niedersächsischen Schöningen bei Helmstedt bereits eine Jugendfeuerwehr gegründet.

Der Chronist der Seulberger Wehr erinnert sich noch gut an die damalige „Second-Hand-Ausstattung“ der jungen Seulberger Truppe: „Wir hatten wenig Geld und mussten improvisieren. Aus alten Beständen hatten wir diese grünen Feuerwehrkombis mit den breiten, schwarzen Leinengürteln.“ Die Overalls wurden abgenäht und angepasst, auf dem Kopf trugen die Jungen ausgemusterte Lederhelme. Wie heute wechselten sich bei den wöchentlichen Übungstreffen Theorie und Praxis ab – vom Schläucherollen bis zu Löschtechniken und Einsatzabläufen. Allerdings durften die Jungen früher mehr, erzählt Helmut Reuter: „Da habe ich mal in einer Gebäuderuine Feuer gemacht, und nach einer Einweisung gingen die Jungen mit Atemschutzmaske in den Rauch rein.“ Das wäre heute undenkbar, weiß Holger Göbel (25), der seit 2011 Jugendwart ist. „Heute arbeiten wir mit Disco-Nebel, um eine Brandsituation zu simulieren. Die Sicherheitsbestimmungen sind viel strenger.“ Für Übungen mit Atemschutz muss man mindestens 18 Jahre alt und entsprechend geschult sein.

Ausgefeiltere Technik

Vieles hat sich in den vergangenen 50 Jahren geändert, vieles ist aber auch geblieben. Längst gehen nicht mehr nur Jungen zur Jugendfeuerwehr. Seit Anfang der 1990er Jahre sind auch Mädchen dabei. Aktuell treffen sich in Seulberg jeden Montagabend sechs Mädchen und 12 Jungen im Gerätehaus. Die Ausrüstung ist besser geworden, die Technik ausgefeilter, die Übungen umfangreicher. Gemeinsame Ausflüge, Sportturniere und das große jährliche Zeltlager, das 1971 übrigens zum ersten Mal von Helmut Reuter organisiert wurde, gehören nach wie vor dazu.

Im Vergleich zu früher, so Wehrführer Claas Ludwig (44), der selbst bei der Jugendfeuerwehr angefangen hat, habe sich der Ton geändert. „Wenn wir heute im Befehlston mit den Jugendlichen sprechen würden, dann wäre keiner mehr da. Heute machen wir auch klare Ansagen, aber nie von oben herab. Die Jugendlichen sollen sich bei uns wohlfühlen.“ Das sei ein Teil der großen Kameradschaft, die bei der Wehr herrsche.

Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb kennt als Verantwortlicher für die vier freiwilligen Feuerwehren in Friedrichsdorf die wichtige Rolle, die die Jugendabteilungen mit ihren zurzeit insgesamt 74 Mitgliedern spielen: „Bei den aktiven Feuerwehrleuten gibt es kaum noch Quereinsteiger. Die meisten kommen direkt aus der Jugendfeuerwehr.“ Allein in Seulberg wechseln pro Jahr zwei bis drei zu den Einsatzkräften. Auch mit Blick auf den Nachschub für die Jugendfeuerwehr scheint das Konzept der aktiven Nachwuchsförderung aufzugehen. Mit der vor einigen Jahren gegründeten Minifeuerwehr, bei der Kinder bereits von sechs Jahren an mitmachen können, stehen die Nachrücker für die Jugend schon bereit. Im vergangenen Jahr waren es sogar acht Kinder.

So wird gefeiert


Als man 1966 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Seulberg die Jugendfeuerwehr einrichtete, hatte zwei Jahre zuvor der Deutsche Feuerwehrverband die Deutsche Jugendfeuerwehr gegründet. Das Ziel: Die Nachwuchsarbeit aktiv zu fördern. Für die Seulberger waren solche Überlegungen im Übrigen nichts Neues, denn hier hatte man Ende der 1950er Jahre – quasi als Trendsetter – schon einmal eine Schülergruppe aufgebaut.

Das 50-jährige Jubiläum der Jugendfeuerwehr Seulberg wird am kommenden Sonntag mit einem großen Fest in und um das Gerätehaus „Am Placken“ in Seulberg gefeiert: Nach einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche startet um 11 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ mit zahlreichen Aktionen. Geplant sind eine Fahrzeugausstellung, Schauübungen der Jugendfeuerwehr und eine Fotoausstellung zum Jubiläum. Dazu gibt es Hüpfburgen, eine Mal- und Bastelecke und Geschicklichkeitsspiele. Gastredner werden erwartet. Zur Stärkung gibt es Deftiges und Süßes.

Schon am Samstag findet unter der Beteiligung von rund 20 Jugendfeuerwehren aus dem Hochtaunuskreis der Mannschaftswettbewerb „Spiele ohne Grenzen“ mit zahlreichen Übungen und Aufgabenstellungen in und rund um Seulberg statt.

Artikel aus der Taunus Zeitung vom 9.6.2016