Erst wabert grauer Nebel aus einem fast geschlossenen Rolltor bei der Rühl Chemie AG im Quellenweg in der Nähe der Bahnlinie. Dann steigt auch noch schwarzer Qualm aus einer Leitung auf. Mit Martinshorn und Blaulicht kommen insgesamt sechs Feuerwehrfahrzeuge schnell heran.

So mancher Kunde des großen Supermarktes gleich gegenüber mag einen kurzen Schreck bekommen haben, denn alles sah so echt aus. Tatsächlich waren am vergangenen Samstagmittag echte Löschgruppen- und Mannschaftstransportwagen mit echten Angehörigen der freiwilligen Friedrichsdorfer Feuerwehren im Einsatz.

Allerdings waren es die Jugendfeuerwehren, die ihre traditionelle Jahresabschlussübung zu absolvieren hatten, was für die Zaungäste rund um das Areal aber nicht minder spannend war.

Das Szenario, das sich Heiko Hahnenstein, Jugendwart der Köpperner Wehr, die in diesem Jahr für die Organisation zuständig war, ausgedacht und mit Unterstützung der Firma Rühl organisiert hatte, war dabei nicht ohne: Eine Explosion mit anschließendem Brand in einem Chemiebetrieb mitten in einem Wohn- und Gewerbegebiet wurde simuliert.

Dabei sollte nicht nur gelöscht werden. Nein, die insgesamt 31 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren mussten auch vier „Verletzte“ aus dem Gebäude bringen. „Unser Angriffstrupp ist vor der Tür auf die Knie gegangen und dann vorsichtig reingekrochen“, berichtete Lennart Jacobi (14) nach der rund 30 Minuten dauernden Übung. „Dann haben wir erst mal die Lage überprüft und uns umgesehen.“

Minis helfen den Maxis

Kein leichtes Unterfangen, denn zwei Geräte pusteten ungefährlichen „Disco-Nebel“ in die Lager- und Warenhalle. Da war klares Sehen eher Fehlanzeige. „Trotzdem haben wir den Verletzten schnell gefunden“, meldete der 12-jährige Jan Niklas Kügler, dem an der Übung vor allem gefallen hatte, dass alle vier Jugendfeuerwehren aus Friedrichsdorf, Seulberg, Burgholzhausen und Köppern gemeinsam dabei waren und sehr gut zusammengearbeitet hatten.

Die Verletzten wurden von vier Kindern von der Köpperner Minifeuerwehr gespielt. „Bevor die Übung startete, hatten wir uns zusammen mit den Kindern die Plätze genau angesehen“, so deren Betreuerin Julia Werner. Erst kurz vor dem Einsatz hatten sich die Minis dann in den Nebel gelegt und auf ihre „Rettung“ gewartet.

Während die Angriffstrupps sie in kürzester Zeit herausholen konnten, wurde draußen von den Wasser-, Schlauch- und Löschtrupps der einzelnen Jugendwehren das angebliche Feuer gelöscht. „Das war zwar eine Übung, die uns Spaß gemacht hat, aber wir haben das schon ernst genommen“, konstatierte der 15-jährige Sam Voigt, der in diesem Jahr das erste Mal bei der Abschlussübung dabei war.

Die Kinder und Jugendlichen wussten genau, was von ihnen verlangt wurde, so jedenfalls die Bewertung des stellvertretenden Stadtjugendwarts Stephan Laubinger. „Die haben das einfach super gemacht. Alles ist reibungslos gelaufen, in aller Ruhe und souverän.“ Auch beim anschließenden Aufräumen und Verstauen habe sich keiner gedrückt. Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb konnte die jungen Feuerwehrleute und ihre Jugendbetreuer gegenüber der TZ dann auch nur loben: „Viele der Handgriffe haben gut gesessen. Da zeigt sich wieder, dass sich regelmäßiges Üben lohnt.“

In der Regel treffen sich die Gruppen der einzelnen Jugendfeuerwehren ein Mal pro Woche. Insgesamt sind rund 80 Jugendliche in Friedrichsdorf bei der Jugendfeuerwehr aktiv. „Das ist ganz wichtig für das System der freiwilligen Feuerwehr, unterstrich Stadtbrandinspektor Neeb, „denn 98 Prozent unserer Einsatzkräfte kommen aus den Jugendfeuerwehren.“ Bei so einem engagierten Nachwuchs sollte sich Friedrichsdorf keine Sorgen um die zukünftige Besetzung der Einsatzkräfte bei den Friedrichsdorfer Wehren machen müssen.

Artikel aus der Taunus Zeitung vom 28.9.2015