Großübung im Taunus: Voller Energie gegen den Blackout

Kommende Woche steht eine 24-stündige Großübung im ganzen Hochtaunuskreis an, an der rund 100 Einheiten und Organisationen beteiligt sind.

Stromausfälle sind lästig, aber meist nur ein kurzes und auf wenige Straßenzüge oder Ortsteile beschränktes Ärgernis. Ob Baggerschaufel oder Materialermüdung: Der klassische „Kabelfehler“ kann viele Ursachen haben, die nicht immer schnell beseitigt, aber doch zeitnah umgangen werden können, so dass die allermeisten Haushalte wieder Strom haben. „Netzumschaltungen“ heißt das.

 

Wenn das nicht funktioniert, der Stromausfall länger dauert und großflächig ist, wird es problematisch. Denn ohne Strom geht heute fast nichts mehr. Haus- und Straßenbeleuchtung, Radio und Fernsehen – aber auch die Kassensysteme von Supermärkten, Tankstellen oder in den Parkhäusern sind lahmgelegt, was aber kaum ins Gewicht fällt, denn die elektronischen Türen und Schranken funktionieren ebenso wenig wie die Pumpen für den Sprit. Und man kann sich nicht mal beschweren; das Mobilfunksystem wird nach einiger Zeit ausfallen, eine Kommunikation ist dann selbst für Notfälle kaum möglich.

 

Ein solches Szenario ist zum Glück unwahrscheinlich, aber eben nicht unmöglich. Seit 2010 gibt es im Hochtaunuskreis ein Konzept, wie die Rettungskräfte mit einem solchen großflächigen „Blackout“ umgehen können. „Seitdem gab es 30 Stromausfälle, bei denen die Schwelle überschritten wurde, ab der wir die Pläne aktivieren“, informiert Wolfgang Reuber, beim Hochtaunuskreis zuständig für die Planung von sogenannten Sonderlagen, also Szenarien, die über die alltäglichen Gefahren hinausgehen.“

 

Am kommenden Freitag, um 18 Uhr, wird dieses Blackout-Szenario getestet. Und zwar nicht am grünen Tisch, sondern unter realistischen Bedingungen. Freilich nur für die Übenden; der Strom bleibt selbstverständlich an, und auch ansonsten soll fast alles normal laufen.

 

Allerdings werden die Rettungskräfte in diesen 24 Stunden sehr präsent sein. Die Handgriffe sollen im Notfall sitzen und es soll geschaut werden, ob die angenommenen Zeiten für verschiedene Abläufe realistisch sind. „Zum Beispiel die Notfall-Kraftstoffversorgung für die Rettungsmittel. Da sieht der Plan vor, dass nach neun Stunden alle vorgesehenen Standorte versorgt sein sollen.“ Deswegen wird, ausgehend von einem der Notfall-Depots, dem Munitionslager Wehrheim, die Logistik geprobt – freilich ohne dass der Kraftstoff wirklich abgefüllt wird. „Trocken“ läuft auch die simulierte Umstellung in Glashütten auf eine Notfall-Wasserversorgung. In Steinbach und Neu-Anspach sollen die Mobilen Warneinheiten eingesetzt werden und alle Straßen mit einer entsprechenden Übungs-Durchsage abfahren und beschallen. Eine entsprechende Info über den Übungsbeginn und das Übungsende soll es auch über die Warn-Apps wie Nina, Katwarn oder die Hochtaunuskreis-App geben. Das Cell-Broadcasting, bei dem die Warnung auch bei auf stumm geschalteten Handys laut heult, wird nicht ausgelöst. „Eine Warnung über die Apps ist übrigens auch bei einem echten Stromausfall realistisch. In den ersten Stunden einer solchen Lage wird das Mobilfunknetz noch arbeiten, weil die Anlagen über Batterien gepuffert werden“, weiß Reuber. Irgendwann wird die Energie jedoch nicht mehr reichen – gleiches droht den Kommunikationsmitteln der Rettungskräfte.

 

Damit im Ernstfall trotzdem Notfälle abgearbeitet werden können, werden die Feuerwehrstützpunkte im betroffenen Gebiet als sogenannte Notfallinfopunkte (NIP) besetzt. Die Feuerwehr arbeitet von dort aus kleinere Notfälle selbstständig ab und dient als Anlaufstelle für Bürger.

 

Ein Teil der Taurus-Übung wird darin bestehen, Meldungen zu fiktiven Notfällen von den Feuerwehrstützpunkten an die Leitstelle zu übermitteln. Wenn nämlich ein Rettungswagen oder Spezialgerät benötigt wird, muss das angefordert werden – und zwar über eine Satellitenverbindung. Reuber: „Wir haben als Kreis da eine Lösung, die auch von anderen Organisationen auf Bundesebene genutzt wird. Das bedeutet eine sichere Bandbreite, und auch der Datenschutz ist gewährleistet.“ Die Verbindung wird für die Übung am PC über das Internet simuliert, „aber die Arbeitsmaske ist identisch“, sagt Reuber. Da es zwar 68 Feuerwehrgerätehäuser gibt, aber in jeder Kommune nur eines mit der Satellitentechnik ausgerüstet ist, werden die Meldungen mit dem Auto oder Motorrad dorthin gebracht. „Wir haben rund 200 solcher fiktiven Notfälle mit verschiedenen Prioritäten vorbereitet, so dass wir auch da testen können, ob das System funktioniert.“

 

 

Damit nicht genug. Weil es Stellen gibt, die Strom brauchen, aber keine eigenen Generatoren haben, wird auch die Notstromversorgung geübt, etwa an den Rettungswachen, wobei die bei der Übung auch für ein paar Stunden über Notstrom betrieben werden. Bis zum Umlegen des betreffenden Schalters wird an mehreren Alten- und Pflegeheimen im Kreis geübt – dafür rücken auch Einheiten des THW aus ganz Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland an.

 

Um den Aufbau alternativer Kommunikationsmittel zu testen, wird in Wehrheim eine Feldtelefonleitung verlegt, auch soll in Zusammenarbeit mit der Landespolizei geübt werden, an einigen Funk-Basisstationen eine Notstromversorgung einzurichten.

 

Die Hochtaunus-Klinken haben sich ebenfalls in die Übung eingebracht und werden die Zentrale Notaufnahme für ein paar Stunden so laufen lassen, wie es bei Großschadenslagen geplant ist, wobei Einheiten der Schnelleinsatzgruppen der Sanitätszüge zum Einsatz kommen sollen. Dies ist zusammen mit einem Blick auf die Herausforderungen an das Gesundheitssystem in solch einem Fall Thema eines weiteren Vorberichts, den Sie Anfang kommender Woche lesen.

Notfallinfopunkte in Friedrichsdorf

Foto: Hochtaunuskreis

Feuerwehr Einsatz Zentrale Stadt Friedrichsdorf

Im Feuerwehrhaus in Seulberg befindet sich die gesamtstädtische Feuerwehr-Einsatz Zentrale. Während der Blackout Übung, sowie generell bei größeren Schadenslagen im Stadtgebiet, wird aus dieser das Einsatzgeschehen geleitet.

Während der Blackout Übung besteht zwischen der FEZ und der Leitstelle des Hochtaunuskreises eine Verbindung über Satellitentelefone. Über diese wird die komplette Einsatzkommunikation durchgeführt.

Schauen Sie gerne vorbei - und uns bei der Arbeit über die Schulter!

Infomaterialien an den Notfallinfopunkten verfügbar!

Auch die Notfallinfopunkte bzw Leuchttürme in der Stadt Friedrichsdorf sind vom 17.11.2023 18:00 uhr bis 18.11.2023 18:00 Uhr dauerhaft besetzt!

Schauen Sie gerne vorbei und informieren sich über die aktuelle Arbeit der Feuerwehren der Stadt Friedrichsdorf!

Ebenso sind Infomaterialien zum Thema Stromausfall verfügbar und können gerne mitgenommen werden!